Dorfleben


Das Ehrenamt -  Dorfbeben – Dorfleben – Das Dorf ist am Leben

Es war ein richtiges „Dorfbeben“ – damals im August 2013. Ausgelöst wurde dieses Beben mit der Ankunft des Krumbacher Musikvereines. Schon lange vor dem eigentlichen Termin hatte man sich im Dorf zusammengetan: Alle in der Gemeinde ansässigen Vereine, Körperschaften, Gemeinschaften und Gruppierungen trafen sich, um das anstehende Musikevent zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen. Hier wurde so richtig deutlich, wie viele Menschen eigentlich in so einem Dorf ehrenamtlich tätig sind und unentgeltlich Zeit, Kraft, Engagement und Kreativität zur Verfügung stellen, um das Dorfleben gelingen zu lassen.
Am Beispiel des Musikfestes werden im Folgenden kurz die in Norderbrarup beheimateten Gruppierungen vorgestellt, die an dem besagten Dorfbeben maßgeblich beteiligt sind (nicht wertende Reihenfolge):


Da wäre der Gemeinderat

Noch besitzt unser Dorf den Status einer selbstständigen Gemeinde. Die frei gewählte Gemeindevertretung zählt 9 Mitglieder und wird rekrutiert aus den politischen Gruppierungen im Dorf, als da wären: Die SPD und die Kommunale Wählervereinigung (KWN). Die KWN wurde schon Anfang der 1960iger Jahre gegründet und war jahrelang die einzige politische Gruppe. In der KWN fanden sich diverse politische Ansätze wieder und die großen Unterschiede der „großen Politik“ blieben nur außerhalb der kommunalpolitischen Grenzen ein heißdiskutiertes Thema. Innerhalb dieser Grenzen war das Bild geprägt von einem einvernehmlichen kommunalpolitischen Miteinander. Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre war es dann auch in Norderbrarup vorbei mit der Ein-Parteien-Landschaft. Zeitweilig waren in der Gemeindevertretung bis zu 4 Parteien vertreten, wovon letztendlich die SPD und die KWN übrigblieben. Aufgrund der derzeitigen Machtverhältnisse (SPD: 5 Sitze; KWN: 4 Sitze) stellt die SPD den Bürgermeister.
Ausblick: Wie der zukünftige Weg der kleinen Gemeinden im Amtsbereich aussehen wird, steht noch in den Sternen. Ob es zu Gemeindezusammenschlüssen kommt oder ob eine amtsweite Zusammenlegung aller Gemeinden Realität wird, ist noch nicht abzusehen. Wie mit der Rückdelegation von Gemeindeaufgaben vom Amt in die Gemeindevertretungen umgegangen wird, ist eine der bislang unbewältigten Zukunftsaufgaben. Hoffentlich finden sich später genügend Ehrenamtler, die die Menge der Aufgaben in den evtl. zu gründenden Zweckverbänden bewältigen.
Die engagierten Mitglieder des Gemeinderates (teils in Doppelfunktionen vor Ort) kümmerten sich am Festabend mit dem Krumbacher Musikverein um das Kassieren der Eintrittsgelder.


Da wäre die Freiwillige Feuerwehr

Die Feuerwehr wird von der Gemeinde Norderbrarup eingesetzt, um in Notlagen helfend einzugreifen und den Hilfsbedürftigen zur Seite zu stehen. Der Leitspruch der Feuerwehr lautet:
„Gott zur Ehr – dem Nächsten zur Wehr!“
Daraus abgeleitet ergeben sich die 4 klassischen Einsatzgebiete einer Feuerwehr: Das Löschen, das Bergen, das Retten und das Schützen. Als Träger der Freiwilligen Feuerwehr hat die Gemeinde alle Aufwendungen zur Erhaltung des Brandschutzes aus dem Gemeindehaushalt zu bestreiten. In Norderbrarup ist es seit alters her Tradition, dass die Sicherheit der Kameraden den höchsten Stellenwert genießt und sich daher die Ausrüstung der Feuerwehr auf einem hohen Standard befindet. Diese Art der Wertschätzung für das ehrenamtliche Engagement der Kameraden trägt u.a. dazu bei, dass sich eine schlagkräftige Einsatzgruppe formiert hat, die neben einem sicheren Umgang mit der an Hand gegebenen Technik auch eine freundschaftliche Kameradschaft zu schätzen weiß. Mit 27 aktiven Mitgliedern aller Altersgruppen und einigen Reserve- und Ehrenabteilern ist die Wehr motiviert und einsatzorientiert aufgestellt - ist aber für die Aufnahme weiterer Mitglieder stets offen. Es dokumentiert sich, dass die Feuerwehr einer der sozialen Anknüpfungspunkte im Dorf darstellt. Es werden bei den Übungen Drähte zu Kameraden gepflegt, mit denen man im täglichen Einerlei möglicherweise selten Kontakte hat. Dieses Aufeinander-Zählen-Können beim Übungsbetrieb wie im Einsatzfall erwächst aus einer Kameradschaft, die auch der dörflichen Gemeinschaft sehr zuträglich ist, nämlich dann, wenn es z.B. gilt, einen Laternen- oder Kindergildenumzug der Schule abzusichern, den Weihnachtsmarkt auszurichten, den Maibaum aufzurichten oder ein zünftiges Fest zu feiern.
Bei dem Dorfbeben im August 2013 trug die Freiwillige Feuerwehr den Löwenanteil der organisatorischen Aufgaben und stand fast eine Woche lang ununterbrochen Gewehr bei Fuß. Solche Mammutprojekte (z.B. Schulungsraum oder Musikevent) stehen aber eher selten an, so dass der Zusammenhalt in der Kameradschaft nicht überbeansprucht wird und im Gegenteil eher wächst.


Da wäre der Kirchenbauverein

Dieser relativ neue, kleine, aber rührige Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die Ortsbild prägenden und wundervollen Bauten der Kirche zu erhalten und hierfür durch eine Vielzahl von Aktionen und Aktivitäten Geld zu sammeln. Dadurch sollen die aufwändigen und teuren Sanierungsmaßnahmen an und in der Kirche und am Glockenturm unterstützt und mitfinanziert werden. Da diese alten Bauwerke unter Denkmalschutz stehen, ist ein modernes Renovieren nicht möglich, sondern es müssen unter großem Aufwand Erhaltungsmaßnahmen ergriffen werden, die dem strengen Auge der Denkmalschützer standhalten. Und diese Maßnahmen sind am Glockenturm hoch nötig, da einer der massiven Eichenstützpfeiler im Maß von 50 x 50 cm eben nicht mehr massiv ist, sondern einen so erheblichen Lochfraß aufweist, dass bei vollem Geläut die Einsturzgefahr des gesamten Turmes besteht. Daher bimmelt momentan nur noch eine der drei vorhandenen Glocken (die die Namen Glaube, Liebe und Hoffnung haben) etwas kümmerlich vor sich hin.
Der Kirchenbauverein kümmerte sich um das Frühstück für die in Norderbrarup untergebrachten Krumbacher Gäste, die sich hierfür morgens zentral in der Backstuuv einfanden.


Da wäre die ev. Frauenhilfe

In der christlichen Tradition der Nächstenliebe übt sich seit Jahrzehnten die evangelische Frauenhilfe. Dieser Verein richtet Seniorennachmittage aus, unterhält einen Besuchsdienst und führt Gemeindenachmittage durch. Ferner stehen Ausflüge und Fahrten ins Blaue auf dem vielfältigen Programm und die Frauenhilfe ist aus der örtlichen Seniorenschaft nicht mehr wegzudenken. Dem Nächsten zugewandt kümmern sich die Bezirkshelferinnen in ihrem näheren Umfeld um die Nachbarn und dadurch ruht diese anspruchsvolle Aufgabe auf vielen Schultern. Eine lange Reihe engagierter Frauen gaben und geben diesen Staffelstab von Generation zu Generation weiter und sichern so den Fortbestand dieser segensreichen Hilfsbereitschaft.
Die Frauenhilfe richtete am Ankunftstag das Frühstück für die Gäste aus – ein kulinarischer Genuss für die knapp 70 Weitgereisten.


Da wäre der Schützenverein

Der Schützenverein Norderbrarup ist der in Fachkreisen weit über die Orts- und Landesgrenzen hinaus bekannte einzige Sportverbund im Ort. Seit Jahrzehnten schon bietet der Schützenverein interessierten Bürgern eine sportliche Heimat und hat sich im freundschaftlichen Messen um Pokale und Medaillen mit anderen Vereinen Schleswig-Holstein-weit einen Namen gemacht. Die sportlichen Erfolge bescherten dem Verein eine große Zahl von Meistertiteln und im Vereinslokal bietet ein großer Schrank nicht genügend Platz für die Anzahl der errungenen Meisterschalen und Ehrenpokale. Eines der Hauptanliegen ist dem Verein die Jugendarbeit. Diese Arbeit ist mit Titeln und Platzierungen in mehreren Altersstufen ebenfalls von großem Erfolg gekrönt.
Die Jugendabteilung des Schützenvereines übernahm am Festabend die Parkplatzeinweisung des heran strömenden Publikums.


Da wäre der Chronikverein

Der Name führt ein wenig in die Irre, da die Chronik der Gemeinde Norderbrarup – in akribischer Kleinstarbeit von den Vereinsmitgliedern vollbracht – bereits ihre Drucklegung gefunden hat. Also kümmert sich der Verein maßgeblich um alle mit dem Dorfarchiv verbundenen Aufgaben und stellt sich hier immer wieder neuen Herausforderungen, die Projekte, wie z.B. das Dorfmuseum, das Modell der alten Ziegelei oder die Übersichtskarte der Gemeinde Norderbrarup, hervorgebracht hat. Aber auch die Ortsgeschichte wird aufgearbeitet und es entsteht ein für Generationen bleibendes Werk, welches die Entwicklung Norderbrarups durch die Zeiten dokumentiert. Um diese Arbeit auf rechtlich sicherer Seite unterstützen zu können, wurde ein Förderverein Archiv und Chronik gegründet und das zusammenwirken beider Vereine kommt dem Dorf in hohem Maße zugute – können so doch auch Dinge realisiert werden, die nicht alleine von der Gemeinde getragen werden müssen.
Der Chronikverein kümmerte sich um den Lose-Verkauf für die vielbeachtete Tombola am Festabend.


Da wäre der Dorffestausschuss

Dieser Ausschuss setzt sich zusammen aus Abgeordneten aller im Dorf vertretenden Vereine. Hier laufen die Fäden zusammen, wenn die Gemeinde Norderbrarup ein Fest für alle Bürger ausrichtet und es darum geht, aus der Vielzahl guter Ideen ein rundes Festpaket zu schnüren. Das alle zwei Jahre stattfindende Dorffest entspringt dem Zusammenwirken im Dorffestausschuss, aber auch die Aktivitäten zum Weihnachtsmarkt oder zum 1. Mai werden vom Ausschuss initiiert.  
Beim Fest mit den Krumbachern wirkte und werkelte der Ausschuss tatkräftig mit beim Aufbau, bei der Dekoration der Festhalle, beim Getränkeverkauf und beim Abbau.


Da wären die Feuerwehrfrauen / Frauenstammtisch

Diese Gruppe fröhlicher Frauen aus dem Dorf stellt im eigentlichen Sinne kein Verein dar, sie sind aber immer zur Stelle, wenn irgendwo eine helfende Hand gebraucht wird. Entsprungen aus der Idee, einen Feuerwehrfrauenstammtisch zu gründen, der sich trifft, wenn die Männer sich zur Feuerwehrjahreshauptversammlung einfinden, wurde bald mehr daraus. Es findet ein monatliches Treffen statt und man hat sich allen interessierten Frauen des Dorfes geöffnet. So werden in lockerer, munterer Runde Stammtischtreffen abgehalten, wo ortsbezogenen Themen aufgegriffen werden, aber auch der Spaß nicht zu kurz kommt.
Das Festpublikum wurde von Mitgliedern des Stammtisches an der Cocktailbar verwöhnt, aber auch Auf- und Abbau der Dekorationen lag maßgeblich in Händen dieser kreativen Truppe.

Text: Bernd Wacker


Aktives Dorfleben in Norderbrarup