Das Dorf Norderbrarup

Norderbrarup Allgemein

Weit im Norden Schleswig-Holsteins, ca. 2 km nördlich von Süderbrarup liegt die 650-Seelen-Gemeinde Norderbrarup. Für diesen 410 ha umfassenden Ort haben wir uns die Punkte Retten, Schützen, Löschen und Bergen zur Aufgabe gemacht.

Norderbrarup in Kürze

Geographische Lage  54* 39’ 26’’ Nord, 009* 46’ 03’’ 0st
Bundesland Schleswig-Holstein
Kreis Schleswig-Flensburg
Amt Süderbrarup
Weitere Ortsteile Ruruplund
Bürgermeister Christine Hannemann (SPD)
Einwohner 642 (Stand: 31.12.2012)
Bevölkerungsdichte 161 Einwohner je km²
Höhe 19 m ü. NHN
Fläche 410 ha
Genutzte landwirtschaftliche Fläche 184 ha
Gemeindevertretung: Sitze insgesamt: 9, davon
Sitze SPD 5
Sitze KWN 4
Postleitzahl 24392
Vorwahl 04641
Schulen und Kindergärten Grundschule
Kirchen Ev. Kirchengemeinde



 
Historisches

Norderbrarup wurde zwischen 1445 und 1450 als “Nordbradorp” erstmals urkundlich erwähnt. Der Name bedeutet “nördliches Dorf am Hang”.


Ur- und Frühgeschichte

In Norderbrarup haben sich mehrere Steingräber erhalten, die in der Jungsteinzeit (4300 - 2300 v. Chr.) errichtet wurden. Auch Einzelfunde wie Flintbeile oder ein so genannter Fischschwanzdolch zeugen von jener Epoche, in der die Menschen erstmals sesshaft wurden und begannen, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Auch in der Bronzezeit (ca. 2300 – 1700/1600 v. Chr.) errichteten die Menschen Grabhügel. Einer davon liegt nordöstlich von Norderbrarup. In ihm fanden sich 1935 Steinsetzungen und Spuren eines Baumsarges. Die Eisenzeit (ca. 500 v. Chr. – 400 n. Chr.), die  ist im archäologischen Fundmaterial mit zahlreichen Urnen vertreten, die seit  1847 immer wieder nahe der Oxbek gefunden wurden. Einige Gräber der Wikingerzeit (ca. 800 – 1100 n. Chr.) wurden in den 1920er Jahren zerstört, sie sollen aber Lanzenspitzen, Schwerter, Sporen und Steigbügel enthalten haben.
Detaillierte Informationen zur Geschichte finden Sie in der Dorfchronik und im Knüttelmuseum. Einige historische Bilder gibt es hier.


Wohnen in Norderbrarup

Keine Frage, der Wohnplatz am nördlichen Ufer der Oxbek ist ein ganz besonderer Ort. Rund 700 Menschen leben dort. Norderbrarup ist schon seit Jahrtausenden ununterbrochen besiedelt. Noch nicht einmal die Völkerwanderung bewog die Menschen, den sanften Moränenabhang in Südwestlage zu verlassen. Das Torsberger Moor mit den reichen Opferfunden liegt vor der Tür. Die Feldmark ist voll mit Fundplätzen, die auf Friedhöfe und Wohnplätze hinweisen.
Die Norderbraruper freuen sich an diesem kulturellen Reichtum. Der liegt nicht nur im Boden. Die Kirche gehört zu den ältesten in Angeln und der hölzerne Glockenturm ist eine Fachwerkkonstruktion aus dem 13. Jahrhundert. Er ist der älteste Glockenstapel in Schleswig-Holstein.
Ein wenig wehmütig denken die Menschen an die Ruruper Wassermühle. Als die alte Anlage der industriellen Konkurrenz nicht mehr gewachsen war, blieb das Mühlrad stehen. Der Verfall wurde gestoppt, indem das Gebäude in den sechziger Jahren abgetragen und im Freilichtmuseum Molfsee bei Kiel neu aufgebaut wurde. Der Teich und der Mühlenhof blieben zurück. Dort gibt es heute ein privates Bernsteinmuseum. Vor allem im Sommer besuchen viele Urlauber die Ausstellung. Doch die alte Romantik ist dahin.
Der Verlust der Mühle markiert den starken Bedeutungsverlust des Ortes nach dem Zweiten Weltkrieg. Nur wenige Flüchtlinge bauten ein Haus und siedelten sich an. Zwar blieb die Kirche Zentrum eines größeren Kirchspiels aus fünf Dörfern, doch die Amtsverwaltung wanderte ins nahe Süderbrarup ab. Die Landwirtschaft verschwand aus dem Dorf und mit ihr viele Handwerker, die Meierei und die Geschäfte. Wer etwas braucht, fährt heute nach Süderbrarup, nach Schleswig, Eckernförde, Kiel oder Flensburg.
Doch der Niedergang ist längst Vergangenheit. Die Norderbraruper haben rechtzeitig gegengesteuert und klug ihren Ort erneuert. Die Grundschule mit der 450-jährigen Tradition blieb erhalten und der Gasthof ist auch in den umliegenden Orten beliebt. Ein paar Gewerbebetriebe sorgen im Alltag für Leben im Dorf.
Der neue Aufschwung hat auch mit der nahen Bahnstrecke von Kiel nach Flensburg zu tun. Sie erleichtert das Pendeln. Ein Baugebiet ließ das Dorf seit Mitte der neunziger Jahre rasch wachsen. Die Dorferneuerung brachte Norderbrarup einen schönen Dorfplatz, der Raum bietet für Spiel, Sport und Geselligkeit. Ginge es nach der Gemeindevertretung, dann gäbe es weitere Baugebiete. Die Neubürger erkannten schnell, wie angenehm es sich in Norderbrarup leben lässt. Dafür nehmen sie weite Wege zu ihren Arbeitsplätzen in Kauf. Manche pendeln gar bis in den Hamburger Randbereich.
Das schnelle Wachstum hat Folgen, die das Dorf erst verarbeiten muss. Nur etwa zehn Prozent der Einwohner sind auch in Norderbrarup geboren. Die “Neuen" und die “Alteingesessenen" bleiben oft noch unter sich. Aber eine aktive Kirchengemeinde, Feuerwehr und Schützenverein fördern den Gemeinsinn. Der funktioniert, denn feiern mögen die Norderbraruper sehr gern.
Verbindend wirkt auch die Geschichte des Dorfes. Briefe, Akten, Fotos und viele Sammelstücke aus der Vergangenheit werden im Dorfarchiv über der Schule aufbewahrt. Eine Arbeitsgruppe schreibt die Geschichte des Ortes auf. Dass der trotz seiner ungewöhnliche langen und interessanten Vergangenheit einen guten Weg in die Zukunft macht, darüber sorgt sich niemand. Norderbrarup ist eben ein ganz besonderer Platz zum Wohnen.

HELGE MATTHIESEN
Textquelle: "Schleswiger Nachrichten/sh:z vom 13.01.2006" - Vielen Dank für die freundliche Genehmigung.


Video: Kurzportrait über Norderbrarup vom NDR

Glückliche Menschen in Norder: Am 29.09.2008 loste das NDR-Schleswig-Holstein-Magazin Norderbrarup aus, um das Dorf in einem 5-minütigen Kurzportrait vorzustellen. Schauen Sie selbst: