Feuerlöschwesen im Wandel der Geschichte in Norderbrarup

Zusammengestellt für die Dorfchronik Norderbrarup

Zum Schutz vor Totalverlust und Gefahrenabwehr durch Wasser oder Feuerschäden schlossen sich viele Bewohner von Dorfgemeinschaften zu für diesen Zweck gegründete Gilden zusammen. Die ersten nachgewiesenen Gründungen von reinen Brandgilden in Schleswig-Holstein erfolgten ab 1426. Die Brandgilden waren auf Gegenseitigkeit beruhende, auf dem Genossenschaftsgedanken aufbauende Zusammenschlüsse freier Bauern und Bürger, die über ihre Habe Verfügungsgewalt hatten. Das Gilderecht basiert auf altgermanischen Recht. Die frühsten Gründungen im Herzogtum Schleswig erfolgten für das Gebiet einer Harde, spätere in der Regel für ein Kirchspiel. Zu Beginn des 18 Jh. Bestimmten die Gilden auch weithin mit Veranstaltungen und Gildefesten das gesellschaftliche Leben auf den Dörfern.

Im Kirchspiel Norderbrarup wurde 1840 zu diesem Zweck die Johannigilde (Siehe Seite 264 Chronik der Gemeinde Norderbrarup) gegründet. Das Gebiet des Kirchspiels wurde laut Satzung der Johannigilde in 4 Distrikte aufgeteilt und wie aus § 2 zu entnehmen ist, wurden für jeden Distrikt eine große Noth und Feuerhacke angeschafft sowie für je 4 Gehöfte eine lange Leiter, eine Boßhacke und 2 Wassereimer bereitgestellt. Für die Einsatzbereitschaft der Gerätschaften und den Einsatz in einem Brandfall war in jedem Distrikt ein Bevollmächtigter verantwortlich.


Nun machte die weitere Entwicklung des Feuerlöschwesens auch auf Grund einer vermehrten Anzahl von Bränden im Land nicht halt. Zudem wurde durch die Obrigkeit verordnet das in den Dörfern so genannte „große Feuerspritzen“ anzuschaffen sind und diese in Gerätehäusern mit einer festen Bedachung untergestellt werden mussten.
Die „große Feuerspritze“ war eine Handpumpe, die von 4 Personen betrieben wurde. Sie war auf einem von 2 Pferden gezogenen Fahrgestell befestigt auf dem sich auch das Schlauchmaterial befand. Da man jetzt mit Hilfe der Spritze das Löschwasser auf eine größere Entfernung als mit dem Löscheimer werfen konnte, wurde bei der Brandbekämpfung auch eine wesentliche Steigerung der Effizienz erreicht.
Das erste Feuerwehrgerätehaus von Norderbrarup wurde zum Ende des 18Jh. auf dem Grundstück der Ruruperstr. 2 errichtet. Es soll bereits vorher eine Feuerspritze existiert haben. Diese war vermutlich in den Nebengebäuden der Schule untergestellt.
Man hatte sehr schnell erkannt, das für die Wartung und den effizienteren Einsatz einer „großen Feuerspritze“ eine in Einsatztaktik geschulte Führung und gut ausgebildete Mannschaft von Nöten war.
Die Grundlage hierfür war die allgemeine Dienstpflicht. Sie schrieb vor das alle männlichen Bewohner eines Dorfes vom 18 bis 45 Lebensjahr verpflichtet waren unter Führung eines Brandaufsehers (Brandmeisters) in einem Brandfall Hilfe zu leisten sowie an entsprechenden Übungen teilzunehmen. Nun aber wurde auch Spezialwissen gefordert. Dieses musste vermehrt bei Ausbildungen und Übungen geschult werden um für einen möglichen Einsatz gut vorbereitet zu sein. Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, so war man vieler Orts der Meinung, man könnte dies besser und zuverlässiger mit einer freiwilligen Mannschaft erreicht werden. So wurde auch in Norderbrarup 1886 die erste Freiwillige Feuerwehr gegründet. Sie hatte bis 1904 bestand. Ab 1904 gab es dann wieder die allgemeine Dienstpflicht und somit eine so genannte Freiwillige Pflichtfeuerwehr, auch als Zwangswehr bezeichnet.
Es gab nach Aufzeichnungen des Kreisfeuerwehrverbandes Schleswig-Flensburg bis 1932 im Kreisgebiet noch 41 Freiwillige Pflichtfeuerwehren die den Brandschutz seiner Zeit, in gleicher Weise wie die Freiwilligen Feuerwehren sichergestellt haben. Im Jahr 1932 ist Freiwillige Feuerwehr Norderbrarup neu gegründet worden (Siehe Seite 70 Chronik der Gemeinde Norderbrarup) .


Text: Rainer Pehl


Quellenhinweise
Chronik 100 Jahre Kreis Feuerwehrverband SL-FL
Chronik der Gemeinde Brebel, die Große Spritze war ein baugleiches Standardmodell
Die Johanni Gilde Kirchspiel Norderbrarup v. Erhard Martensen
Aufzeichnungen v. Hans-Peter Helm